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FAMILIENBANDE

Als Musikerin gehört sie zu Deutschlands Mega-Stars, als Mutter und Oma ist NENA das Zentrum ihres Clans. Eine perfekte kleine Welt, in der sich alle immer lieb haben? Beim exklusiven Fotoshooting erfuhr GALA, auf welche Gutfühl-Rituale die Sängerin setzt – und wann ein Coach eingreift

Dass sie mal Rockstar werden möchte, wusste Gabriele Kerner mit zehn Jahren – dass sie später Mama sein will, schon mit fünf. Längst ist Nena beides und Oma noch dazu. Und die Liebe zu ihrer Familie sieht man der 54-Jährigen beim exklusiven GALA-Shooting in Berlin in jeder Sekunde an. Was nicht bedeutet, dass in diesem Clan mit einer der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen an der Spitze immer eitel Sonnenschein herrscht. Für Nena ist es selbstverständlich, den Rat eines Familien-Coaches einzuholen,
erzählt sie. Und noch ein überraschendes Geständnis macht der als plauderfreudig geltende Star: Gesprä- che findet Nena nur dann gut, wenn alle Beteiligten sie auch führen wollen. An diesem Tag ist das definitiv so.

Nena, Ihr Sohn Sakias singt auf Ihrem neuen Album mit, Ihre Tochter ist im aktuellen Video zu sehen. Warum bedeutet es Ihnen so viel, die Familie mit einzubeziehen?
Das habe ich nicht geplant und es wird auch niemand gezwungen. Meine Kinder sind mit all dem hier aufgewachsen und entscheiden selber, an welchen Stellen sie einsteigen oder fernbleiben. Wir sind ein freies Familienunternehmen. Und wir lassen unsere unterschiedlichen Projekte gerne an vielen Stellen zusammenfließen.

Sie alle sehen sich ja auch privat fast täglich …
Das passiert von alleine, weil wir gerne zusammen sind und es cool finden, uns gegenseitig zu beraten und zu stärken, in allem, was ansteht. Natürlich gehen wir uns auch aus dem Weg, wenn es nötig ist. Das gehört unbedingt dazu. Liebe und gemeinschaftliches Gefühl brauchen Raum.

Gibt es feste Rituale?
Ja, Geburtstage. Diese besonderen Tage halten sich immer alle frei, dann wird gemeinsam in unserer Basis- station gefeiert, in dem Haus, wo wir als Familie aufgewachsen sind und wo meine Tochter Larissa ihre Kinder ge- boren hat. Das ist unser Haupttreff- punkt. Da kommen wir alle regelmäßig zusammen.

Ist Ihr 1989 verstorbener Sohn Christopher auf eine gewisse Art dabei?
In meinem Herzen hat er immer einen Platz. Aber ich erwarte nicht, dass er oder andere geliebte Menschen, die bereits weitergegangen sind, immer um uns herumschwirren sozusagen. Ich möchte die Verstorbenen ruhen lassen. Umso klarer kann ich meinen Sohn wahrnehmen und auch meinen Vater und meinen Freund Carlo.

Abschiednehmen fällt vielen schwer.
Das ist immer wieder eine Herausforderung. Aber bevor ich mich davor drücke, was sowieso nicht funktioniert, lasse ich diese Prozesse lieber zu. Da bin ich streng mit mir.

Welche Werte sind Ihnen noch wichtig?
Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, eine gewisse Disziplin, Fleiß. Ich finde fleißige Leute super sexy. Nicht im Sinne von „sich kaputt rackern“. Ich meine Fleiß, der mit Freude verbunden ist.

Versuchen Sie Ihren Kindern und Enkeln da ein Vorbild zu sein?
Hmm, ein Vorbild … Das kommt mir irgendwie komisch vor. Ich versuche meinen Kindern und Enkeln so authentisch wie möglich zu begegnen und nicht so zu tun, als wüsste ich, wie das Leben funktioniert. Daher kann ich ihnen gar kein Vorbild sein. Ich kann nur vorleben, was mir wichtig ist.

Und wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass man miteinander redet?
Kommt drauf an.Ich finde das nicht immer wichtig und richtig. Gespräche sind nur dann gut, wenn die Beteiligten sie auch führen wollen – von Herzen. Das sollte freiwillig geschehen, ohne Zwang. Dann kann man sich austauschen und vielleicht auch daran wachsen. In Coaching-Situationen mit einem Mediator ist das ja nicht anders. Da sitzen dann auch nur genau die Leute, die sich für die Session entschieden haben.

Sie haben einen Mediator?
Klar, wir gehen alle regelmäßig zum Familien-Coach und besprechen unsere Themen, einzeln oder auch in Gruppen. Was kann ein Außenstehender bewirken? In verhakelten Situationen ist es für mich echt hilfreich, einen Mediator zu haben. Ich kann das Gegenüber dann besser zu Wort kommen lassen und auch mal einen Moment stillhalten. Ein gutes Gespräch schafft Klarheit und Nähe. Kann vorkommen, dass man sich sogar plötzlich wieder neu in den eigenen Mann verliebt.

Wie oft ist Ihnen das denn schon passiert?
Das passiert mir immer wieder. Aktuell vor einer Woche.

Werden wir alle vielleicht zu schnell panisch, wenn wir merken, dass das Gefühl für den Partner mal etwas schwächer ist?
Es kann schon beunruhigend sein, wenn man spürt, dass sich die Gefühle für einen Menschen verändern. Aber darin liegen auch Möglichkeiten. Die Qualität einer langen Beziehung ist ja oft auch, dass man keine Hemmungen hat, dass man sich nicht mehr verstellt. Mein Mann und ich sind jetzt seit 21 Jahren zusammen, weil wir an unserer Verbindung arbeiten und uns immer wieder neu füreinander entscheiden. Von alleine läuft nix.

Was würden Sie gern besser können?
In schwierigen Situationen easy bleiben und mich nicht reinziehen lassen in Sachen, die mir nicht guttun.

Und worauf sind Sie stolz – eher auf die Karriere oder auf die Familie?
Kinder in die Welt zu setzen, darauf kann man eigentlich nicht wirklich stolz sein. Das ist schließlich was ganz Natürliches. Ich würde es so beschreiben: Ich freue mich jeden Tag darüber, die Mutter dieser Kinder sein zu dürfen. Das macht mich glücklich.

Und Ihre außergewöhnliche Karriere?
In meiner Kindheit galt es als unhöflich anderen gegenüber, auf sich selber stolz zu sein. Man durfte sich nicht selber loben. Inzwischen klopfe ich mir gerne auf die Schulter und sage: Hey, Nena, das hast du wirklich gut gemacht! Also: Ja, ich kann mich und meine Arbeit wertschätzen. Und wenn der Zweifel kommt, erinnert mich Larissa daran. Sie sagt dann: Mama, guck mal, was du schon alles geschafft hast!

Was fühlen Sie, wenn ein neues Album veröffentlicht wird?
So was in die Welt zu schicken ist jedes Mal eine aufregende Sache für mich. Daran werde ich mich auch nach 17 Alben und 25 Millionen verkauften Platten nicht gewöhnen. Monatelang hat es mich begleitet und dann, zack!, weg ist das Ding. Ganz ehrlich – ich liebe mein neues Album. Jetzt kann ich nur noch sagen: Ciao, war schön mit dir, wir sehen uns auf der Bühne wieder!

Nena

INTERVIEW: Anna Schunck
FOTOS: Kristian Schuller