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EIN FEST FÜR PALINA

Dass der TV-Shootingstar ein Weihnachtsfan ist, hätten wir nicht gedacht. Nicht das Einzige, womit Palina Rojinski uns überrascht. Ein erhellendes Gespräch unterm Tannenbaum.

Zu unserem Termin in einem Fabrik-Loft in Berlin-Charlottenburg kommt Palina Rojinski mit einem Sack voller Turnschuhe. Die hat die 29-Jährige für die Fotos von zu Hause mitgebracht. Man merkt schon hier: Sie behält gern alles unter Kontrolle. So kassierte sie auch gleich unsere Idee, beim Shooting Plätzchen zu backen. Plätzchen? Viel zu brav, viel zu häuslich. Wir verstehen. Palina Rojinski, die durch ihre unerschrockenen Sidekicks im »Circus Halligalli« auf Pro Sieben bekannt wurde, hat ein Image zu verteidigen, und deshalb gibt es statt Mürbeteig und Stechförmchen eine kreischbunte Christmas-Party à la Rojinski – mit viel Plastik, Glitter und Lametta. Sechs Stunden später, der Fotograf sig- nalisiert, mit der Ausbeute zufrieden zu sein, unterdrückt sie höflich ein Gähnen und setzt sich zum Interview. Sie atmet kurz ein und ist dann gleich wieder hellwach.

Nach diesem Shooting herrscht hier im Studio tatsächlich fast Weihnachtsstim-mung. Was fehlt noch, damit es das perfekte Palina-Rojinski-Fest wird?
Unbedingt meine Eltern, meine Schwester Vivienne, unser Hund Ivan und der Kater Abram.

Christlich, jüdisch, russisch-orthodox? Wie wird dann gefeiert?
Wir feiern nicht betont religiös, sondern einfach das Fest. Mittlerweile auch pünktlich im Dezember. Als ich noch klein war, haben wir an Silvester gefeiert, weil da in Russland Väterchen Frost, Deduschka Moros, mit seinem Töchterchen Snegurotschka kommt. Oder warte … es ist seine Enkelin! Jedenfalls fand ich sie immer wunderschön, mit dem Hut und dem langen blonden Zopf.

Moment, die beiden kamen wirklich?

[grinst] Klar! Da haben meine Eltern dann irgendwen engagiert. Und später hat das mein Vater gemacht, für meine Schwester. Die ist neun Jahre jünger als ich. Und da war ich dann einmal sogar auch selbst das Schneeflöckchen. Das sollte schon immer authentisch sein, alles. Genau wie der Baum.

Ein echter also, kein Plastik …
Natürlich! Ich finde, es gehört dazu, dass dem dann irgendwann auch die Nadeln ausfallen, dass der Kater dagegenspringt und eine Kugel kaputtgeht. Und für alle Russen ist als Schmuck auch eine schöne Spitze ganz wichtig! Den Baum an sich suche ich aber bis heute danach aus, wie er riecht. Zu Weihnachten muss es nach Tanne duften.

Und nach Essen. Was kommt traditionell auf den Tisch?
Ente. Weil meine Mutter immer meint, Gans sei zu fettig. Voll lecker mit Honig, Feigen und dazu Sauerkraut. Und russische Salate! Die Sakuski. Mayonnaise-Salat, Rote-Bete-Salat, Hering im Pelzmantel, sowas.

Dazu Rotwein oder Wodka?
Wodka. Aber nicht so viel. Eigentlich trinken wir zusammen eher wenig. Nur zum Anstoßen.

[Während sie spricht, schaut Palina ihrem Gegenüber sehr direkt in die Augen. Auch daran zeigt sich, wie ernst sie das Interview mit mobil nimmt. Noch am Morgen hatte Palina gesagt, sie möchte unsere Fragen ganz in Ruhe beantworten, keinesfalls schon während sie für das Fotoshooting gestylt wird. Es sei ihr wichtig, sich immer voll auf eine Sache zu konzentrieren.]

Können Sie sich mit dem identifizieren, was man in Deutschland als »Russische Seele« bezeichnet?
Puh! [Sie bläst die Backen auf ] Ich finde das eher komisch. Auf Russisch gibt es die Bezeichnung auch gar nicht. Klar wird mir warm ums Herz, und ich bekomme diese halb geschlossenen Au- gen, wenn ich ’ne Balalaika höre. Und wenn ich in einer Dokumentation über Russland diese Weite sehe, dann überkommt mich schon eine leichte Sehnsucht. Meine kleine Birke auf dem Balkon zu Hause ist mir jedenfalls wichtig. Und ich bin, wie viele Russen, sehr abergläubisch.

Ein Beispiel?
Wenn ich aus dem Haus gehe, etwas vergesse und zurück muss, dann setze ich mich noch einmal hin und schaue in den Spiegel [Sie rich-tet sich auf, legt die Hände auf den Schoß und lenkt den Blick für eine Sekunde starr ins Leere]. Das irritiert dann viele Leute.

Ich versteh es spontan auch nicht …
Das ist Aberglaube! Man muss das machen, sonst gibt es Unglück. Es heißt, man ist mit dem Glück aus dem Haus gegangen, und wer zurückgeht, hat den Weg gebrochen. Das muss man dann quasi alles wieder nullen.

Mal weg vom Aberglauben – glauben Sie an einen Gott?
Ich habe kein direktes Gottes- oder Götzenbild. Paradoxerweise gehe ich trotzdem manchmal in die Kirche, meistens in die russisch-orthodoxe. Es gibt mir einfach ein gutes Gefühl, mal an einer heiligen Stätte zu sein. Ich denke, diese Orte sind einfach vollgeladen mit positiven Energien. Das gefällt mir, egal, ob ich in einer Synagoge stehe, in einer Moschee, in einer Kirche oder in einem buddhistischen Tempel.

Beten Sie?
Ja. In meiner eigenen Form. Und ich zünde dort gern eine Kerze an. Ich habe auch zu Hause immer Kerzen an. Das mag ich auch an der Vorweihnachtszeit. Dieses warme Licht. Dabei kann ich gleichzeitig aber auch nachempfinden, dass die Stimmung in der Vorweihnachts- zeit Menschen, die sich latent einsam fühlen, auch depressiv machen kann.

Darüber denken Sie nach?
Klar, gerade in der Adventszeit. Da gilt es, gerade diesen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken. Eben allen, die nicht so Lust haben auf Weihnachten oder nicht wissen, auf was sie sich freuen sollen.

Sie selbst sind ja eher bekannt als die Fröhliche, Starke, Taffe.
Alles Masche [sie lacht]. Nein, natürlich nicht. Es ist selbstverständlich so, dass die Art, wie ich arbeite, auch meinem Naturell entspricht. Sonst würde es gar nicht funktionieren.

Werden Sie trotzdem auch mal melancholisch, wenn Sie in eine Kerze gucken?
Ich mag ganz gerne diese stillen Momente, in denen ich auch mal sehnsuchtsvoll und dramatisch in eine Kerze starre, ja.

Was treibt Ihnen Tränen in die Augen?

Besonders nah gehen mir Szenen am Bahnhof oder am Flughafen. Wenn da so Freunde und Familien aufeinander warten. Dieser Moment, wenn die sich sehen und in die Arme schließen
– oh Mann, das finde ich so herzzerreißend.

Was gibt Ihnen Kraft, wenn Sie sich in Ihrem Alltag mal getroffen fühlen oder einfach nicht so stark sind?
Zuallererst meine Freunde und meine Familie. Und auch mein Zuhause. Meine Wohnung in Berlin. Da mache ich es mir bewusst schön und gemütlich. Bei mir gibt es immer frische Blumen und gutes Licht. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man seinen eigenen Ort hat, an dem man sich wohlfühlen kann. Egal, ob WG-Zimmer, kleine Wohnung oder großes Haus.

[Ihr Handy klingelt mit einer lauten Kling-Klong- Glocken-Melodie, sie guckt kurz drauf – und drückt den Anruf weg.]

Wenn Sie auf 2014 zurückschauen: Was hätte nicht unbedingt sein müssen?
Der dritte Burger gestern. Mit Pommes. Rot-weiß. Den hätte es nicht unbedingt gebraucht. Aber selbst dabei habe ich meine Erfahrungen gesammelt, so wie mit jeder anderen Aktion auch. Und deswegen gibt es 2014 nichts, von dem ich denke: Oh mein Gott, Katastrophe!

Mit jeder Aktion?
Na, beim Schminken in der Achterbahn für »Circus Halligalli« sah ich aus wie Saw und der Joker – in einem. Aber pff, egal! Ist doch lustig.

[Eine Palina Rojinski kneift nicht. Sie täuschte für »Circus Halligalli« einen Orgasmus auf dem Alexanderplatz vor oder übergab sich nach 18 Fahrten mit einer Achterbahn live vor der Kamera. Andere bekommen danach schnell einen Stempel verpasst, Palina Rojinski macht Karriere.]

Auf was sind Sie 2014 besonders stolz?
Puh! Oh Mann! Also eigentlich sind das viele Sachen. Ich mochte dieses Jahr total gerne. Ich bin glücklich über meine erste eigene Sendung »Offline«, bei der ich auch an der Konzeption beteiligt bin. Und ich bin stolz auf meinen vom Trippelkick angerissenen Muskel, den ich mir bei unserer Hommage an Bruce Lee auf dem Hügel über Hongkong im Kampf mit einem echten Kung-Fu-Meister zugezogen habe. Au- ßerdem durfte ich meiner tänzerischen Leidenschaft bei »Got to dance« freien Lauf lassen. Und natürlich bin ich stolz und gespannt auf unseren Film »Traumfrauen«.

Ihre Karriere als Moderatorin hat mit Joko und Klaas begonnen. Würden Sie davon gern noch unabhängiger sein?
Auf keinen Fall, wieso denn das? Ich mag die beiden sehr gerne und sie sind meine berufliche Familie. Da ich so viele unterschiedliche eigene Projekte habe, bleibt mir wenig Zeit für die Jungs. Wenn es also mal mit einem Einspieler klappt, freue ich mich sehr.

Besuchen Sie sich gegenseitig auch privat?
Wenn wir die Zeit dafür finden gerne, das ist nur gerade echt ein Luxus.

Aber für ein paar Weihnachtskarten reicht’s?
Na klar! Kleine Geschenkchen gibt’s auch. Von mir immer einen Wodka, einen guten, von dem man keine Kopfschmerzen kriegt. Und nicht zu viel! [Sie hebt den Zeigefinger] Kleine Flasche!

Gibt es ein Thema, über das man keine Witze macht – egal, wer man ist?
Hm. Das Leid anderer ist tabu.

Haben Sie generell das Gefühl, dass es in Deutschland viele Klischees oder Vorurteile über russische Menschen gibt?
So allgemein kann ich das nicht sagen. Aber ja, der Wodka trinkende Balalaika spielende Salz- gurkenesser mit der russischen Seele ist in Berlin-Charlottenburg natürlich an jeder Ecke anzutreffen. Im täglichen Leben merke ich als Immigrantin von den Vorurteilen nichts. Meinen Eltern wird allerdings durch ihren Akzent oft mit Vorurteilen begegnet.

Ärgert Sie das?
Klar, manchmal. Weil es halt meine Eltern sind. Aber ich denke, so was ist überall ähnlich. In jedem Land. Ich finde schon, dass wir in Deutschland sehr tolerant sind und dass Deutschland sehr offenherzig und um Integra- tion bemüht ist. Ich mag es total, hier zu leben.

[An dieser Stelle wird besonders deutlich, wie sehr Palina Rojinski ihre Worte abwägt. Nicht zu sehr polarisieren, politisch unbedingt korrekt bleiben – und nicht zu privat werden. Sie gehört zu der neuen Generation junger Medienprofis, wie Schauspieler, Musiker und Sportler, die ihre
Außendarstellung genau kontrollieren.]

Haben Sie Angst, dass Sie irgendwann aus Ihrem Job rauswachsen könnten?
Nee. Solche Gedanken mache ich mir nicht. Ich denke, man entwickelt sich.

Was wären Sie geworden, wenn nicht, wie Sie es selbst betiteln, »irgendwas mit Medien«?
Ich weiß es nicht. Ich hatte nicht wirklich einen Plan. Als Kind wollte ich Prinzessin werden. Oder Kranfahrer. Aber nach dem Abi weiß ja kaum jemand, was er machen soll. Man hat sich zu diesem Zeitpunkt meistens selbst noch gar nicht gefunden.

Wie meinen Sie das?
Na ja, ich meine, dass man sich erst mal kennenlernen muss. Und einerseits werden wir ja momentan viel schneller erwachsen, und andererseits bleiben wir länger jung. 30 ist das neue 20 und 40 das neue 30. Es ist eine komische Entwicklung, dass die Schulabgänger immer jünger werden und wir alle länger jung bleiben.

Fühlen Sie sich denn erwachsen?
Sagen wir so: Mein Optimum ist es, mich immer als die Jüngste und als die Älteste zu fühlen, die ich im aktuellen Alter sein kann.

Wie sieht’s aus mit der Familienplanung?
Generell habe ich Lust drauf. Aber es ist nicht so, dass ich denke, ich will oder muss jetzt unbedingt ein Baby haben. Ich merke allerdings, dass ich eine junge Mutter sein möchte.

Sie sind 29.
Ja, das ist doch jung. Das meine ich. Das hat sich heute alles ein bisschen verschoben. Und das ist gut so. Trotzdem finde ich, dass man so eine Familienplanung irgendwann angehen sollte. Denn je länger man es aufschiebt, desto größer wird – ich sage mal – das Projekt.

[Je länger dieser Tag im Studio dauert, desto mehr wird klar, dass Palina Rojinski gar nicht so krawallig ist, wie viele denken. Wir lernen einen wertebezogenen und integeren Menschen kennen, den man einfach mögen muss.]

Was man definitiv demnächst angehen sollte, ist Weihnachts-Shopping. Wann kaufen Sie Ihre Geschenke?
Traditionell am 24. Dezember. Manchmal auch am 23. Aber immer viel zu kurzfristig. Und traditionell nehme ich mir auch jedes Jahr vor, das nächste Mal früher dran zu sein. Schon im Sommer oder wenn ich mal was Schönes für jemanden sehe. Aber wenn’s dann passiert, denke ich, nee. Das passt bis Weihnachten nicht mehr, weil dann der Moment nicht mehr da ist. Geschenke sollen immer zum Menschen passend sein. Und sie müssen aus dem Moment heraus entstehen.

Ab welchem Moment kommen Sie in Weihnachtsstimmung?
Wenn die Städte anfangen, sich zu schmücken. In Berlin mag ich das besonders am Ku’damm, wenn die Bäume voller Lichtergirlanden sind. Zu Weihnachten muss es funkeln.

Ist das so ein Moment, in dem Sie merken, dass Berlin so richtig Ihre Stadt ist?
Auf jeden Fall. Hier ist jede Ecke voller Erinnerungen. Und wenn ich weg war und dann mit dem Auto von der Autobahn komme, und bei Dreilinden steht dieser kleine Bär, dann denke ich: Ja. Jetzt bin ich zu Hause. Und mit dem Zug ist das so hinter Spandau, wenn ich vor dem Fenster die großen Möbelhäuser sehe. Dann weiß ich: Gleich bin ich da – da, wo ich sein will. Das ist schon ein schönes Gefühl.

 

PALINA_IV-Foto

 

Interview: Anna Schunck
Fotos: Felix Krüger